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Silvano Zucal: „Pneuma“ und „Communitas“ bei Ferdinand Ebner

Ernst Pavelka | | 21.03.09

Psyche ist die – Geistigkeit aber schon voraussetzende – Bezogenheit der ‘Natur’ und des Natürlichen auf sich selbst, Pneuma das Geistige im Menschen in seiner Bezogenheit auf Gott. Jene ist immer auf dem Wege, sich in der ‘Unendlichkeit des Vielen’ – und das ist die Welt – zu verlieren. Dieses aber findet sich in der ‘Unendlichkeit des Einen’, in Gott. Pneuma ist das Ewige im Menschen und in der Zeitlichkeit des Daseins gewissermaßen das Prinzip der Antizipation der Ewigkeit. Was der Mensch in der Zeitlichkeit des Lebens aus der Geistigkeit seiner Existenz macht, für oder wider sie sich entscheidend, wird festgelegt für die Ewigkeit.“

(Ferdinand Ebner: Das Wort und die geistigen Realitäten. Pneumatologische Fragmente. Fragment 9)

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„Pneumatologe“, nicht einfach „Philosoph“, so nannte sich Ferdinand Ebner selbst. Und „Pneumatologische Fragmente“ lautet auch der Untertitel seines 1921 erschienenen Hauptwerkes. Diese „pneumatologischen“ Fragmente erschließen das Wort, das sich zwischen Ich und Du, den Geistesrealitäten des Lebens, erstreckt. Sie bleiben ausdrücklich innerhalb des Horizonts von Ferdinand Ebners Lehre vom Geist bezogen auf die zentrale Bedeutung des trinitarischen Glaubens. Pneumatologie ist auch das endgültige theoretische Ziel der Suche des österreichischen Philosophen.

Wenn Ebner sein Hauptwerk mit „Pneumatologische Fragmente“ untertitelt, so versteht er unter „Pneumatologie“ die Lehre vom Geist des Wortes. Eine Lehre, die sich auf den Menschen als sprechendes, hörendes und dialogisch eingestelltes Wesen bezieht. Sie verdankt sich der Kreuzung, oder besser der Überschneidung, welche sich bei Ebner zwischen „Geist“ („πνεῦμα“) und Wort ergibt. Die Sprache besitzt pneumatologische Valenz, weil sie Wechselrede ist, Wort in der Wirklichkeit seines Ausgesprochen-Werdens, Beziehung von Worten, nicht von bloßen Wörtern. 
So ist das Wort nach Ebner das Licht, das die Wirklichkeit des Geistes sichtbar macht und die grundsätzliche Eröffnung des geistlichen Lebens ermöglicht; in diese Richtung geht die sogenannte „Fundamentalphilologie“ von Ebner. Gerade durch diese Kraft, die sogleich begründend und erschließend ist, wird das Wort wesentlich „unverfügbar“ und vor allem durch keine anspruchsvolle begriffliche Systematik erfassbar. In diesem Sinne ist Ebners Vorschlag eine „Pneumatologie des Wortes“, das heißt eine Eröffnung gegenüber dem Urwort der Schöpfung, der Erlösung und der Versöhnung; auch wenn, vom Menschen aus, ein solches Urwort immer unmöglich bleibt, ist es dennoch die grundsätzliche Bedingung von allen „möglichen“ Worten unter denjenigen Menschen, die einander in einer eigentlichen und nicht bloß virtuellen „communitas“ treffen.

Silvano Zucal (*1956) ist Professor am Dipartimento di Filosofia, Storia e Beni Culturali der Universität Trient für theoretische Philosophie und Religionsphilosophie. 1980 Dissertation unter dem Titel „La teologia della morte in Karl Rahner“ (Bologna 1982). 1987 Eintritt in die Universität. Zahlreiche Publikationen über Karl Rahner, Hans Urs von Balthasar, Romano Guardini, Dietrich Bonhoeffer, Ferdinand Ebner, Maria Zambrano, Max Picard, Landsberg, Carl Dallago und den „Brenner-Kreis” kennzeichnen seinen wissenschaftlichen Lebenslauf. Seine systematische Arbeit konzentriert sich auf die „Philosophie des Schweigens”, Dialogischen Personalismus und philosophische Christologie. Unter seiner Führung hat sich das Institut für Philosophie der Universität Trient zu einem internationalen Zentrum der Forschung über Ferdinand Ebner entwickelt.

Wichtige Publikationen von Silvano Zucal sind: L’interpretazione teologica di Hegel nel primo Balthasar (Genova 1985); Romano Guardini e la metamorfosi del “religioso” tra moderno e post-moderno. Un approccio ermeneutico a Hölderlin, Dostoevskij e Nietzsche (Urbino 1990); Romano Guardini, filosofo del silenzio (Roma 1992); Ali dell’invisibile. L’Angelo in Guardini e nel ’900 (Brescia 1998); Ferdinand Ebner. La nostalgia della parola (Brescia 1999); Lineamenti di pensiero dialogico (Brescia 2004), Maria Zambrano. Il dono della parola (Milano 2009)

Der Vortrag von Professor Silvano Zucal ist Teil einer Ŕeihe von zehn Vorträgen, welche die Internationale Ferdinand-Ebner-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Haus der Begegnung der Dözese Innsbruck veranstaltet.

Die nächsten im Haus der Begegnung stattfindenden Vorträge werden sein:

  • 26.6.2009 Jaroslaw Jagiello (Krakau): Logos und Glaube im „secular age”. Zur religionsphilosophischen Aktualität des Ebnerschen Denkens
  • 17.9.2009 Walter Thirring: Physik und das Wort in der Natur

Jaroslaw Jagiello hat mit „Vom ethischen Idealismus zum kritischen Sprachdenken – Ferdinand Ebners Erneuerung des Seinsverständnisses“ eine der wenigen systematischen Gesamtdarstellungen des Denkens von Ferdinand Ebner vorgelegt. Sie ist bislang die einzige, welche auch das bisher unveröffentlichte Frühwerk von Ferdinand Ebner „Ethik und Leben. Fragmente einer Metaphysik der individuellen Existenz“ (1913/14) berücksichtigt.

Walter Thirring (geb. 1927) ist Professor für Theoretische Physik an der Universität Wien. Er ist auf die Quantenfeldtheorie spezialisert. Das von ihm entwickelte „Thirring Modell“ ist nach ihm benannt. Sein Vortrag wird sich mit dem biohermeneutischen Ansatz in der Interpretation des Denkens von Ferdinand Ebner aus der Sicht des Physikers beschäftigen. Er wird damit an den Vortrag von Christan Paul Berger, welchen dieser am 9.2.2009 ebenfalls im Haus der Begegnung gehalten hat, inhaltlich anschließen.

Desweiteren bemühen wir uns gerade, Julio Puente López, den spanischen Übersetzer von Ferdinand Ebners Werk, für einen Vortrag in Innsbruck zu gewinnen.

Hingewiesen sei auch auf das von der Internationalen Ferdinand-Ebner-Gesellschaft gemeinsam mit dem Philosophieinstitut der Universität Trient veranstaltete Vertiefungssymposium zu Ferdinand Ebner. Dieses wird am 19. und 20. November 2009 an der Philosophisch-theologischen Hochschule in Brixen (Südtirol) stattfinden.

Sie wollen die Internationale Ferdinand-Ebner-Gesellschaft unterstützen, um weitere interessante Veranstaltungen zu ermöglichen, für ihre Beschäftigung mit dem Werk und der Person Ferdinand Ebners von der Internationalen Ferdinand-Ebner-Gesellschaft zu profitieren oder regelmäßig darüber informiert zu werden, was sich rund um Ferdinand Ebner und die wissenschaftliche Aufarbeitung seines Denkens alles tut? Dann werden Sie doch gleich Mitglied. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf lediglich EUR 15.— pro Jahr.

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