Startseite > Forschung

Textproben

Walter Methlagl: Rezension von Tatjana Fedjaewa: Wittgenstein und Russland. (Vorabveröffentlichung)

Eine Sammlung von zehn Aufsätzen liegt in diesem Band sowohl in einer russischen als auch in einer deutschen Version vor. Diese Tatsache ist schon ein äußeres Zeichen dafür, dass Tatjana Fedjaewa, Philosophin und Literaturwissenschaftlerin in St. Petersburg, mit dieser Veröffentlichung einen Brückenschlag zwischen der deutschsprachigen (namentlich der deutschen und österreichischen) und der russischen Lebens- und Geisteswelt anstrebt. Dasselbe Streben deutet auch der Titel des Buches an: er verweist auf eine Verbindung zwischen einem der weltweit bedeutendsten Philosophen, dem aus Österreich stammenden und lange Zeit in England lebenden Ludwig Wittgenstein, auf der einen und „Russland“ auf der anderen Seite.

Lesen Sie mehr/Download im MS-Word-Format

Auszüge aus Hans Rochelt: Erinnerung an den künftigen Christen. Zur Pneumatologie Ferdinand Ebners, hrsg. von Walter Methlagl und Stephan Haltmayer

Losungen der Brüdergemeine für das Jahr 1997 wurden als strukturierender Leitfaden für den Auslegungs-Versuch der Pneumatologischen Fragmente “Das Wort und die geistigen Realitäten” Ferdinand Ebners verwendet. Anlass dafür war die Notwendigkeit, dem pneumatologischen Denken gerecht zu werden und nach Möglichkeit einer philosophischen, theologischen oder wissenschaftlichen Redeweise auszuweichen. Denn Ebners Grundgedanke besagt, dass nicht von Gott gesprochen werden kann, sondern nur im Gebet zu ihm. Jede Darstellung des pneumatologischen Gedankenganges bringt es freilich mit sich, dass immer wieder auch von Gott, von Christus, vom WORT in unangemessener Weise die Rede sein muss. Worte aus dem Alten und dem Neuen Testament, häufig eben die Tages-Losung zur Zeit der Niederschrift, sollen wie zunächst den Autor nun auch den Leser immer wieder vor das Wort der göttlichen Offenbarung und die alltägliche Glaubens-Forderung stellen. Nur das Hören auf das Wort und die Erinnerung an die darin enthaltene Verheißung eröffnen dem Christen den Weg zur Entscheidung.

Lesen Sie mehr/Download im MS-Word-Format

Walter Methlagl: Vorwort zur Neuausgabe der Fragmente (Vorab-Veröffentlichung)

Selten findet man einen so scharfen Kontrast zwischen Nicht-Öffentlichkeit, räumlicher und wohl auch seelischer Abgeschlossenheit, und andererseits einem kaum bezähmbaren Drang zur Information, einem Auf-dem-Laufenden-Sein-Wollen wie in jenen Quellen, die die Entstehung der „Pneumatologischen Fragmente“ bezeugen. Dass in einem entlegenen Ort wie damals Gablitz jemand sich derart konstant und konsequent Zugang zu Büchern, zu allen damals bedeutenden Medien, zu wissenschaftlichen und kulturellen Ereignissen verschaffen konnte, wie Ferdinand Ebner es über Jahre hin tat, ist nur schwer zu begreifen. Oft genug hat man ihm Monomanie nachgesagt, Scheuklappen-Denken, seelische Fixierung; man glaubte und glaubt damit seine beharrliche Reflexion des Ansatzes erklärt zu haben, die den „Fragmenten“ zugrunde liegt.

Es ist schon richtig: dieser Ansatz besteht letztlich nur “in einer einzigen sprachperspektivischen Überlegung“ , in der Erkenntnis, dass es kein absolutes, sondern nur ein relativ zum Du existierendes Ich gebe. Aber man übersieht eben leicht, mit welcher Selbstkritik und Selbstkontrolle, Überlegtheit und wachsenden Überlegenheit Ebner diese allmählich sich eröffnende Perspektive über Jahre hin verfolgt und nach vielerlei Richtungen hin erprobt, verdeutlicht und letztlich bestätigt hat.

Was Ebner in den „Pneumatologischen Fragmenten“, aber auch in den Schriften, die zu diesen führten oder ihnen unmittelbar folgten, zur Sprache gebracht hat und bringt, orientiert sich letztlich immer an diesem Ansatz. Von ihrer Begründung in Überlieferung und Gebrauch her kann man die von Ebner herausgearbeitete „Sprach-Perspektive“ in weiterem Sinn wohl als „Sprachspiel“ bezeichnen, wie Ludwig Wittgenstein es viel später in seinen „Philosophischen Untersuchungen“ erläutert hat: „Das Wort ‚Sprachspiel’ soll hier hervorheben, dass Sprechen Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform“, schreibt Wittgenstein. Das Spannende und stets Innovative an Ebners Hauptwerk ist, dass diese Orientierung, diese Rückführung sozusagen hin auf ein Integral, seinerzeit eine Vielzahl von Aspekten und Perspektiven zum Erscheinen gebracht hat und heute noch bringt, die insgesamt nicht weniger als die Lebensform des jeweiligen Zeitalters ausmachen.

Lesen Sie mehr/Download im MS-Word-Format

Tatjana Fedjaeva: “Ferdinand Ebner und Michail Bachtin”

Ferdinand Ebners Buch „Das Wort und die geistigen Realitäten. Pneumatologische Fragmente“ ist 1921 im Brenner-Verlag erschienen und bald danach in Europa zu Ruhm gelangt. Aufbauend auf den christlichen Lehren entwickelt Ebner darin Ideen der Dialogphilosophie und formuliert als erster die Grundlagen der Theorie des dialogischen Wortes. Einige Jahre später, 1929, erschien das Werk von Michail Bachtin „Die Probleme des Schaffens von Dostojewskij“, die einzige in Russland vollendete Dialogtheorie . Ein gründlicher Vergleich der Dialoglehren der beiden Gelehrten steht bis heute aus. M. Bachtin könnte F. Ebners Buch gekannt haben. Der frühere Leiter des Brenner-Archivs, Walter Methlagl, teilte mir in einem seiner Briefe mit, er habe von Ludwig von Ficker erfahren, dass die „Pneumatologischen Fragmente“ gleich nach ihrem Erscheinen in Russland starkes Interesse erweckt hatten, und könne sich infolgedessen meiner Vermutung anschließen, dass Bachtin – wohl über Vermittlung Hans Limbachs – auf Ebners Buch gestoßen ist. Auch ein Vergleich der Theorien der beiden Philosophen legt diese Annahme nahe. [...]

Lesen Sie mehr/Download im MS-Word-Format

Christian Paul Berger: “Lebendige Individualität – Urworte Orphisch”.

Der Text ist im Rahmen eines Buchprojektes von Christian Paul Berger, in dem er den Grundgedanken Ferdinand Ebners für die modernen Naturwissenschaften fruchtbar zu machen versucht entstanden.

Der „ ... Gehalt in deinem Busen/Und die Form in deinem Geist“, sind die beiden ­Kategorien, die Goethe am Schluss von „Dauer im Wechsel“ anspricht, von ihnen aus ist uns „Unvergängliches“ verheißen. Was bedeutet nun „Form“, was „Gehalt“, und welcher Art ist dieses „Unvergängliche“, das Goethe hier anspricht? In den nun folgenden Gedankengängen möchte ich eine umfassende Deutung dieses schwierigen und vor allem auch mysteriösen Zusammenhangs geben, die uns direkt auf das Problem der lebendigen Individualität hinführen wird.

Lesen Sie mehr/Download im MS-Word-Format

© 2007–2008 Internationale Ferdinand Ebner-Gesellschaft. Publiziert mit Textpattern. Valides XHTML 1.0 Transitional + CSS.